I Wanna Be a Gurrrlband“ – Queer, laut, absurd gut

Vergangenen Freitag feierte im Schauspielhaus Dortmund ein Stück Premiere, das man nicht so schnell vergisst: „I Wanna Be a Gurrrlband“ von Shari Asha Crosson.
70 Minuten, in denen gelacht, getanzt, gesungen – und gleichzeitig überraschend viel hinterfragt wird.

Im Mittelpunkt steht eine gecastete queere Girlband, die auf Tour mit ihrem Bus mitten in der Wüste strandet. Der Name der Band: Polly Pockets – bewusst nur mit einem „L“. Denn ihre Managerin predigt Polygamie als Lebensprinzip, und so wird das Band-Motto mantraartig wiederholt:
„Stay Poly, Stay Free.“

Was zunächst nach schriller Pop-Performance klingt, entpuppt sich schnell als kluge, sehr humorvolle Auseinandersetzung mit toxischer Weiblichkeit innerhalb queerer Strukturen, Erwartungshaltungen, Gruppendynamiken und dem Druck, ständig „frei“, „richtig“ und „progressiv“ zu sein.

Zwischen Pop, Parodie und leisen Momenten

Das Stück lebt von überzeichneten, extrem starken Kostümen, viel Bewegung, Tanz und poppigen Musikelementen. Gleichzeitig werden die vier Protagonistinnen immer wieder aus dem Gruppenkontext herausgelöst. Ihre Gedanken, Zweifel und inneren Konflikte stehen plötzlich allein im Raum – leise, ehrlich und erstaunlich berührend.

Gerade dieser Wechsel macht den Abend so besonders:
Man lacht viel, wirklich viel – und merkt erst im Nachhinein, wie viel da eigentlich mitschwingt.

Queeres Theater, das unterhält und hängen bleibt

„I Wanna Be a Gurrrlband“ ist laut, bunt, absurd, politisch – ohne belehrend zu sein. Das Stück nimmt Szenenmechaniken und Ideale auseinander, ohne sie zu verurteilen, und schafft es, Humor und Reflexion sehr selbstverständlich miteinander zu verbinden.

Eine klare Empfehlung für alle, die Lust auf zeitgenössisches, queeres Theater haben, das Spaß macht und trotzdem Substanz besitzt.

🎟 Tickets gibt es über theaterdo

Fazit:
Richtig, richtig gut. Unfassbar lustig, klug inszeniert und absolut sehenswert.

Foto: Hupfeld